8 Fragen - was Sie schon immer über Proptechs wissen wollten

Property und Technology verschmelzen zu Proptech.
“Proptech” und “Digital Real Estate” sind das häufigste Begriffspaar, das im Zusammenhang mit der digitalen Transformation der Immobilienwirtschaft in Vorträgen, Artikeln und Studien usw. auftaucht. In manchen Unternehmen betrachtet man Proptechs als regelrechte Heilsbringer, andernorts bringt man ihnen Vorbehalte entgegen. Sie haben sich vielleicht auch schonmal gefragt: Verändern Proptechs die Branche wirklich? Wie können wir mit Proptechs zusammenarbeiten? Wie viele Proptechs gibt es eigentlich? Welche könnten gut zu uns passen? Wo liegt der Mehrwert in der Zusammenarbeit mit Proptechs? Diesen und weiteren Fragen gehen wir in diesem Beitrag auf den Grund.

Inhalt

1. Was ist ein Proptech?

Der Begriff Proptech setzt sich aus den beiden Wörtern Property (Eigentum, Immobilie) und Technology zusammen.

Darunter werden meist neu gegründete oder wenige Jahre alte Start-Ups verstanden. Start-Ups, die mit einer innovationen Idee, meist auf Basis einer digitalen Technologie, mit neuen, innovativen Geschäftsmodellen die Immobilien- oder Bauwirtschaft erobern wollen.

Und das, indem sie Kundenbedürfnisse durch ihre Lösung besser befriedigen als bestehende Unternehmen oder auch bestehende Prozesse im Immobilienlebenszyklus optimieren.

In einer weiter gefassten Definition wird unter Proptech gerne auch der gesamte Bereich der Digitalisierung der Immobilienwirtschaft verstanden.

Für Unisuu CEO Eddie Holmes sind Proptechs gar ein Symptom der digitalen Transformation der Immobilienwirtschaft. In diesem Sinne sind Proptechs mehr als nur ein paar neue, kleine Unternehmen, sondern vielmehr Ausdruck einer tiefgreifenden Veränderung der Immobiliebranche, angestoßen durch digitale Technologien.

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2. Wie viele Proptechs gibt es weltweit?

Seit 2015 erfährt der Begriff Proptech in der Immobilienwirtschaft eine größere Aufmerksamkeit. Auch wächst die Anzahl an Proptech-Unternehmen von Jahr zu Jahr.

Mittlerweile gibt es, Stand 2022, rund 500 Proptechs in Deutschland, während es im Jahr 2015 noch knapp 100 waren.

Weltweit gibt es rund 9.000 Proptechs, wobei der Großteil sich davon – nämlich circa ein Viertel – in den USA befindet.

Wobei diese Zahlen¹ immer eine Frage der Definitionsgrundlage sind. Denn oft verschwimmen die Grenzen zwischen Fintech, Contech, Infratech, Edtech, Legaltech und Proptech.

Die Grenzen zwischen Fintechs, Contechs, Infratechs und Legaltechs sind fließend zu Proptechs.

3. Warum gibt es so viele Proptechs?

Das hat damit zu tun, dass es unglaublich viele Proptechs für Einzellösungen, Nischenthemen und Teilprozesse im Immobilienlebenszyklus gibt. 

Die ohnehin schon ausgeprägte Fragmentiertheit der Branche spiegelt sich quasi in der Proptech-Landschaft wider.

Proptechs gibt es für alle möglichen Stationen im Lebenszyklus einer Immobilie:

  • Planung und Erstellung
  • Bewirtschaftung
  • Immobilienmanagement
  • Marketing & Vertrieb
  • Verkauf
  • Bewertung
  • Finanzierung
  • usw.
Die Immobilienwirtschaft besteht aus zahlreichen Spezialgebieten.

4. Warum wächst der Proptech-Markt so stark?

Das hat mehrere Gründe. Hier kommen die 4 wichtigsten Gründe für den Boom im Proptech-Markt.

Erstens - in den letzten Jahren sind die technologischen Möglichkeiten gewachsen.

KI, Roboter, Drohnen, Blockchain, Cloud usw. waren vor 10-15 Jahren noch nicht so ausgereift und adaptierbar wie heute. Diese neuen Technologien ermöglichen neue Formen der Wertschöpfung. Darüber hinaus bergen sie natürlich Potenzial für die Verbesserung von Prozessen. 

Zweitens - es war wohl nie einfacher ein eigenes StartUp zu gründen.

Sei es hinsichtlich Finanzierung, Staffing, Markenbildung, Homepage entwickeln etc. Alles ist mittlerweile durch digitale Lösungen einfacher möglich als früher. 

Drittens - der Immobilienboom der letzten Jahre

Durch den Immobilienboom der letzten Jahre ist die Immobilie als Kapitalanlage viel stärker ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt.

Ineffiziente Prozesse, die durch digitale Lösungen vereinfacht werden könnten, fallen auf. Auch neue Geschäftsmodelle werden denkbar. Die Folge: Etablierte Unternehmen werden offener für die Zusammenarbeit mit Proptechs oder beteiligen sich an diesen.

Viertens - das Funding

Das Funding von Proptechs ist in den letzten Jahren massiv gewachsen. Weltweit flossen seit ca. 2010 über 100 Milliarden USD an Eigenkapital in Proptechs. Das hängt mit der Liquiditätsschwemme der Märkte zusammen.

Seit ca. 2019 gehen jedoch weltweit die Finanzierungsvolumina und Anzahl der finanzierten Unternehmen zurück. Der Grund ist, dass das Kapital mittlerweile eher in etablierte Proptechs fließt und Konsolidierungen, durch Übernahmen oder Liquidationen, stattfanden. 

Die vier Gründe für den Proptech Boom werden visualisiert.

5. Wo kann ich mich über Proptechs informieren?

Proptech Maps

Plattformen & Websites

Eine weitere interessante Informationsquelle sind Plattformen & Websites wie crunchbase.com und unisuu.com. Hier sind auch internationale Proptechs zu finden.

Studien

Vertiefte Einblicke in die Entwicklung des Marktes für Proptechs in Deutschland gibt die Proptech Studie 2022 von TH Aschaffenburg und Blackprint.

Informationsquellen für Proptechs werden visualisiert.

6. Werden Proptechs die Branche wirklich revolutionieren?

Das kann man Stand heute nicht seriös sagen. Es ist aber davon auszugehen, dass von den rd. 9.000 Proptechs weltweit einige dabei sind, die die Branche definitiv verändern werden.

US-amerikanisches Fallbeispiel COMPASS

Oft lohnt sich der Blick in die USA. Als Beispiel: COMPASS wurde 2013 gegründet. Das Proptech ist mittlerweile eine der größten Immobilienfirmen in den USA und deckt ungefähr 5% des nationalen Transaktionsvolumens ab.

Die Startseite des us-amerikanischen Proptech Compass wird gezeigt.

Das Geschäftsmodell von COMPASS zielt aber nicht auf die Verdrängung von tradierten Geschäftsmodellen ab, sondern unterstützt MaklerInnen bei ihrer Arbeit durch smarte auf die Immobilienbranche zugeschnittene digitale Tools wie z.B. ein spezialisiertes CRM, automatisiertes Marketing sowie datengetriebene Information, z.B. zur schnelleren und akkuraten Preisfindung.  

COMPASS verspricht seinen Kunden, den MaklerInnen: More Money, More Time

Warum ist das Geschäftsmodell von COMPASS erfolgreich? Ein Kundenproblem – zu wenig Zeit, zu wenig Erlöse – wird hier durch eine digitale Lösung adressiert. Auf diese Weise ist es COMPASS gelungen, Fuß in der Immobilienbranche zu fassen und in kürzester Zeit auf eine große Menge an Kunden zu skalieren.

Und der deutschsprachige Markt?

Aber schauen wir nach Deutschland. Der Markt ist natürlich nicht direkt vergleichbar. 

Jedoch zeigen es zahlreiche Pressemeldungen: In der DACH-Region werden Proptechs mittlerweile weniger als Gegner, sondern als strategisch wichtige Partner und Lösungsanbieter angesehen.

Etablierte Unternehmen holen sich durch strategische Partnerschaften oder Übernahmen von Proptechs technologisches KnowHow ins Haus.

Deshalb stellt sich weniger die Frage nach einer Revolution der Branche. Sondern es geht darum, die Zusammenarbeit zwischen Etablierten und Proptechs zu einer Win-Win-Situation für beide Seiten zu machen.

Der Oxford-Professor Andrew Baum fasste es so zusammen:

Proptech ist also ein wichtiger, aber nur EIN Teil bei der digitalen Transformation und wird vor allem zu einem mentalen Wandel hinsichtlich technologiegetriebener Innovation bei Immobilienfirmen und Kunden führen.

7. Wie kann man mit Proptechs als Lösungsanbietern zusammenarbeiten?

In ihrer Proptech Studie 2022 haben die TH Aschaffenburg und das Unternehmen Blackprint untersucht, wie die Zusammenarbeit zwischen Proptechs und etablierten Immobilienunternehmen aussehen kann.

Eine Zusammenarbeit kann erfolgen als

  • Strategische Partnerschaft
  • Gemeinsame Entwicklungspartnerschaft
  • Finanzielle Beteiligung an Proptechs
In der Praxis ist die Zusammenarbeit natürlich mit gewissen Herausforderungen verbunden.

8. Wie liefert eine Partnerschaft zwischen Proptechs und etablierten Unternehmen Mehrwerte für beide Seiten?

Drei Erfolgsfaktoren für eine mehrwertige Zusammenarbeit zwischen etablierten Unternehmen und Proptechs sind

… im etablierten Unternehmen klare Entscheidungsstrukturen und Ansprechpartner für die PropTechs vorhanden sind,

… und eine offene Kultur für Digitalisierung und kollaborative Zusammenarbeit herrscht,

… sowie beide Seiten gegenseitiges Verständnis, insbesondere für die Branchenbesonderheiten, aufbringen.

Fazit

Proptechs und die Digitalisierung der Immobilienwirtschaft sind untrennbar miteinander verbunden. Es handelt sich dabei um Start-Ups, die mit innovativen, oftmals technologiebasierten Geschäftsmodellen die Bau- und Immobilienbranche umkremplen wollen.

Während noch vor einigen Jahren in den etablierten Unternehmen die Vorbehalte gegenüber Proptechs groß waren, nähert man sich mittlerweile an: u.a. sind strategische Partnerschaften, gemeinsame Entwicklungspartnerschaften oder auch finanzielle Beteiligungen an Proptechs mögliche Kooperationsformen, die Unternehmen nutzen, um Lösungen der Proptechs in ihr Business zu integrieren. Dabei prallen oftmals unterschiedliche Unternehmenskulturen aufeinander.

Nichtsdestotrotz nutzen immer mehr etablierte Unternehmen den Zugang zu Proptechs, um sich zukunftsfähig aufzustellen – auch wenn Kooperationen oftmals mit hohen Kosten verbunden sind und ggf. Investitionsrisiken bergen.

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Quellen
    • 1: Wir beziehen uns bei diesen Zahlen auf die Plattform unisuu und auf eine Studie des Beratungs- und Investmentmanagement-Unternehmens JLL, den “2021 Global Proptech Report“. 

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