Digitales Mindset für die Immobilienwirtschaft: einfach erklärt

Ein digitales Mindset wird seit einigen Jahren als DIE Voraussetzung für eine gelingende digitale Transformation der Immobilienwirtschaft angesehen. Doch was versteckt sich hinter diesem Begriff?

Erfahren Sie in diesem Beitrag, welche sechs Persönlichkeitsmerkmale typisch für ein digitales Mindset sind und wozu man diese als Real Estate Professional benötigt!

Dazu haben wir 2021 in qualitativen Interviews mit Branchenmitgliedern gesprochen, um herauszufinden, wie es um das digitale Mindset der Immobilienwirtschaft derzeit steht.

Inhalt

Was ist ein digitales Mindset?

Der Begriff Mindset beschreibt allgemein gesprochen “Einstellungen, Überzeugungen, Denkweisen oder auch die Mentalität” gegenüber einem bestimmten Thema.

Man kann auch ein wenig weiter gehen und von Persönlichkeitseigenschaften sprechen, die allerdings nicht direkt beobachtbar sind!

Trendbegriff Mindset

Das Mindset ist zu einem Modewort geworden, wenn es um Lebensbereiche und deren Einstellungen dazu geht: So kursiert in Bezug auf Geldanlagen das vielbeschworene “Money Mindset”, im Business schmückt man sich mit einem “unternehmerischen Mindset” und wer eine optimistische Einstellung zur Zukunft hat, betont gerne sein “Future Mindset”.

Diese Vielfalt erschwert es, den Begriff Mindset enger zu definieren. Wir schauen im Folgenden genauer auf das “digitale Mindset”.

6 Persönlichkeitsmerkmale eines digitalen Mindsets

Digitales Mindset bezieht sich auf die Digitalisierung. Man könnte im ersten Moment an Digital-Technik und IT-Tools usw. denken, aber es geht im Grunde um so viel mehr als um Technikverständnis.

Digitales Mindset beschreibt zusätzlich die Eigenschaften und Überzeugungen, die notwendig sind, um in einem agilen und innovativen Umfeld erfolgreich den digitalen Wandel voranzutreiben.

In einer Studie haben Bredendiek & Knorr (2020) sechs erfolgskritische Persönlichkeitsveranlagungen abgeleitet, die ein digitales Mindset ausmachen. Und zwar:

  1. Offenheit und Agilität vs. Beharrlichkeit
  2. Proaktivität und unternehmerische Handlungsorientierung vs. Reaktivität und Lageorientierung
  3. Kreativität und Gestaltungsmotivation vs. Prozesstreue
  4. Kundenzentriertheit vs. Aufgaben- und Organisationszentriertheit
  5. Kritikfähigkeit vs. Harmonieorientierung
  6. Offener Umgang mit Scheitern vs. Vermeidung von Misserfolg

Uns gefällt diese Gegenüberstellung, da uns die genannten 6 Dimensionen aus unserer Berufs- und Beratungserfahrung als wertvolle Persönlichkeitsmerkmale bekannt sind.

Derzeit dominieren in vielen deutschen Unternehmen noch diejenigen Persönlichkeitsmerkmale, die Sie jeweils rechts in der Aufzählung sehen können.

Die Gründe hierfür sind vielfältig: Sicher ist, dass über Jahrzehnte etablierte, hierarchische Strukturen, eine autoritäre Führungskultur sowie bis ins letzte Detail geplante Prozess- und Zuständigkeiten ein eher schlechter Nährboden für die Ausbildung eines digitalen Mindsets sind.

Digitales Mindset beginnt also in der Führungsebene: Erfahren Sie dazu mehr in unserem Intensiv-Kursprogramm für Real Estate Professionals (Session 2.7 Organisationsstrukturen).

Beispiele für ein digitales Mindset

Schauen wir uns nun anhand von Beispielen genauer an, was es mit dem digitalen Mindset auf sich hat.

Beispiel 1: Offenheit und Agilität

Mit Offenheit und Agilität ist gemeint, wie ich mich in neuen und ungewohnten Situationen verhalte.

Natürlich ist damit die Offenheit gegenüber technischen Innovationen gemeint. Aber auch die Offenheit gegenüber anderen Personen, anderen Überzeugungen und Konzepten.

Wozu braucht es Offenheit und Agilität?

  • Offene, agile Personen lassen sich auf neue Situation auf ungewohnte Dinge ein.
  • Dadurch werden im Idealfall neue Ideen und Wege möglich. Wege, die man sich vorher, mit dem alten Mindset, noch nicht vorstellen konnte.
  • Letzten Endes entsteht dadurch ein Mehrwert: Menschen denken bspw. in einer bestimmten Branche ihr Produkt neu oder lassen sich auf zukünftige Entwicklungen ein.
  •  

Das Gegenteil zu Offenheit und Agilität ist Beharrlichkeit, also das Festhalten an alten Gewohnheiten, Denk- und Verhaltensweisen.  

Übrigens ist Beharrlichkeit eine der Eigenschaften, die in vielen Bereichen unserer Gesellschaft als sehr tugendhaft bezeichnet werden.

Denn Beharrlichkeit wird mit Durchhaltevermögen, Ausdauer und Standhaftigkeit gleichgesetzt. Dieses Festhalten an beharrlichem Verhalten erschwert es unter Umständen einem Unternehmen, ein digitales Mindset auszuprägen! Nicht nur in der Immobilienwirtschaft.

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Küken als Symbolbild für Offenheit und Agilität im digitalen Mindset.

Beispiel 2: Kundenzentriertheit

Kundenzentriertheit ist nicht selbstverständlich. Denn oftmals sind Mitarbeitende in Unternehmen dazu gezwungen, sich an Prozesse und Vorgaben zu halten, die nicht immer im Interesse der KundInnen sind. Die Folge sind Service-Wüsten und Unzufriedenheit.

Auch bei der Produktentwicklung findet seit einigen Jahren ein Umdenken statt: Weg vom reinen Produkt- bzw. Funktionsgedanken, hin zum Service-Gedanken.

Ziel sollte es sein, Produkte auf Basis der Kundenbedürfnisse zu entwickeln und nicht, um technische Raffinessen möglich zu machen. Gute Produktentwicklung nimmt die Kundensicht ein. Eigentlich selbstverständlich, häufig aber nur Lippenbekenntnisse in deutschen Unternehmen!

Digitales Mindset verlangt neue Führungsqualitäten

Die Beispiele zeigen, dass es sicherlich auf das Mindset eines jeden einzelnen ankommt. Wahr ist aber auch, dass die Organisation und die Führungsebene die Rahmenbedingungen schaffen und digitales Mindset vorleben sollten.

Warum braucht die Immobilienwirtschaft ein digitales Mindset?

Ein weit verbreitetes Missverständnis ist, dass es beim digitalen Wandel der Immobilienwirtschaft darum geht, das bestehende Geschäftsmodell mit seinen gewohnten Prozessen besser und effizienter zu machen.

Nein, es geht um so viel mehr: Nämlich darum, die Kernleistung der Immobilienunternehmen gegenüber den KundInnen neu zu denken. Also ein passendes, digitales Geschäftsmodell zu entwickeln und nicht nur das bestehende Geschäftsmodell zu digitalisieren.

Genau an diesem Punkt bieten sich in der Immobilienwirtschaft unglaublich viele Potenziale, die es zu heben gilt. Und das zu verstehen, ist der erste Schritt zum digitalen Mindset der Immobilienwirtschaft. 

Reicht es nicht, digitales Mindset "einzukaufen"?

Natürlich ist es möglich, digitales Mindset in der Immobilienwirtschaft erstmal durch Externe aufzubauen. Sei es durch das Hinzuziehen von externen Experten oder, indem man strategische Partnerschaften mit Proptechs eingeht.

Wir von BUILD sind allerdings davon überzeugt, dass es nicht ausreicht, digitales Mindset von außen in die Immobilienwirtschaft einzukaufen.

Vielmehr ist es zwingend notwendig, die MitarbeiterInnen bei der digitalen Transformation und der Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle mitzunehmen. Gerade in einer so besonderen Branche wie der Immobilienwirtschaft. Denn die Profis in den Immobilienunternehmen kennen die Kunden, halten die Kundenbeziehung aufrecht und verstehen, wie die Branche tickt.  

Digitales Mindset ohne Real Estate Wissen ist für die Branche wertlos.

MitarbeiterInnen als Gestalter des digitalen Wandels

Digitalisierung ist nicht nur papierloses Arbeiten oder die Einführung neuer digitaler Prozesse und Technologien.

Wenn Immobilienunternehmen sich zukunftsfähig aufstellen wollen, sollten sie auch die Mitarbeiterschaft teilhaben lassen, bspw. an der Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle.

Dies bestätigen auch Studien. Laut einer Studie des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG sehen über 70% der befragten Unternehmen der Wohnungswirtschaft die (fehlende) Erfahrung und Kompetenz der MitarbeiterInnen als das größte Risiko bei der Digitalisierung.

Unsere Definition von digitalem Mindset

Wir bei BUILD sehen das digitale Mindset grundsätzlich als Erweiterung

  • der bestehenden Immobilien-Kompetenzen (“real estate skills”)
  • und der digitalen Kompetenzen (“digital skillset”), wozu u.a. Anwenderwissen, Excel-Kenntnisse, das Arbeiten mit Kollaborationstools usw. zählen.

Wie steht es um das digitale Mindset in der Immobilienwirtschaft?

Es gibt keine uns bekannte Studie, in welcher konkret das digitale Mindset der Immobilienwirtschaft untersucht wurde.

Um ein Gefühl für die Stimmung in der Branche zu bekommen, haben wir 2021 im Rahmen eines Design Thinking Projektes qualitative Interviews dazu geführt. Die Interviewergebnisse wurden in einer Kurzstudie zusammengefasst.

  • Leitfrage der qualitativen Interviews war: Was verbinden Sie mit der digitalen Transformation der Immobilienwirtschaft?
  • Befragte Zielgruppe: Professionals der Immobilienbranche aus Fondsmanagement, Forschung, Maklerwesen, Asset Management, Transactions, Consulting, Banking im Alter von 24 bis 49 Jahren
  • Zielsetzung: Verborgene Bedürfnisse bei Branchenangehörigen im Zusammenhang mit dem digitalen Wandel der Immobilienwirtschaft aufzudecken
  •  

Ergebnisse der Kurzstudie (2021) zum digitalen Mindset der Immobilienwirtschaft

Die Interviewergebnisse haben uns ehrlicherweise überrascht:

    • Zum Beispiel wurde das Schlagwort “Digitalisierung im Immobilienbereich” aber auch Digitalisierung im Allgemeinen von den Interviewten als  “Buzzword”, “Blackbox” und „Monsterbegriff“ bezeichnet.
    • Bei einigen der befragten Immobilienprofis herrschte fehlende Zuversicht, ja sogar Angst und Abneigung gegenüber der Digitalisierung der Immobilienwirtschaft.

6 Gründe, warum Digital Real Estate kein Hype mehr ist

Eine tiefergehende Analyse der Interviewergebnisse ergab, dass die Befragten das „Warum“ des digitalen Wandels nicht kennen: WARUM benötigen wir eigentlich eine digitale Transformation der Immobilienwirtschaft?

  • Digitalisierung wurde in den Interviews überwiegend auf Datentransparenz und Effizienzsteigerung reduziert. Wobei Prozessoptimierung natürlich ihre Daseinsberechtigung hat, gerade auch, um eine fundierte Datenbasis aufzubauen, aber langfristig zu kurz greift.
  • Auch entnahmen wir den Gesprächen, dass das Bewusstein für (neue) digitale Geschäftsmodelle kaum ausgeprägt ist.

Eigene Branche sollte Auslöser von Innovation sein

Interessanterweise war sich eine Mehrheit der Befragten einig darüber, dass die eigene Branche Auslöser von Innovationen sein sollte. Dazu seien Weiterbildungsmaßnahmen notwendig.

Vermisst wurden konkrete, niedrigschwellige Weiterbildungsmöglichkeiten. Zudem sehen die meisten Interviewten in diesem Zusammenhang die Bringschuld beim Arbeitgeber: Dieser müsse attraktive Weiterbildungsformate bereitstellen.

Fazit zur Kurzstudie

  • Digitales Mindset ist in eher geringem Ausmaß unter den Immobilienprofis vorhanden.
  • Der digitale Wandel wird einerseits als lästig empfunden, andererseits wächst das Bewusstsein dafür, dass dieser in den kommenden Jahren die Branche verändern wird.
  • Entsprechend liegt bei den Befragten der Wunsch vor, den Wandel selbst mitzugestalten und nicht abgehängt zu werden.
  • Die Interviews etwas provokat zusammengefasst: “Wir wollen Digitalisierung im Kern verstehen und davon profitieren, aber möglichst wenig dafür tun.”

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Warum ist das digitale Mindset noch nicht flächendeckend in der Immobilienwirtschaft vorhanden?

Dass das digitale Mindset in der Immobilienwirtschaft noch nicht flächendeckend vorhanden ist, hat sicherlich mehr als einen Grund.

Möglicher Grund: Funktionsmechanismen der Branche

Ein Grund für die geringe Ausprägung des digitalen Mindsets sind beispielsweise die Besonderheiten der Immobilienbranche, die sich stark von der Digitalwirtschaft unterscheidet.

Mein Kollege von der IREBS, Prof. Dr. Tobias Just, hat hierzu mit einem Co-Autor, Dr. Frank J. Matzen, eine interessante Übersicht erstellt, die die Funktionsmechanismen von Immobilien- und Digitalwirtschaft miteinander vergleicht.

Im Folgenden sehen Sie die Gegenüberstellung von Immobilienwirtschaft und Digitalwirtschaft (Just/Matzen, 2018), die wir geringfügig verändert haben:

Immobilienwirtschaft

Digitalwirtschaft

Standortabhängigkeit

Sehr hoch

Sehr gering

Volumen einer Transaktion

I.d.R. sehr hoch

I.d.R. gering

Transaktionskosten

Sehr hoch

Sehr gering

Geschwindigkeit

Sehr gering

Sehr hoch

Transparenz

Relativ gering

Sehr hoch

Grenzkosten

Sehr hoch und sprungfix

Sehr gering

Zahl der Akteure je Markt

Gering

Sehr hoch

Netzwerkeffekte

Sehr gering

Sehr hoch

Verbundvorteile

Gering

Sehr hoch

Investment-Stil / Geschäftsmodell

Eher Value

Eher Growth

Weiterer Grund: Branche setzt auf Eigeninitiative

Auch sehen es viele Immobilienunternehmen nicht als ihre Aufgabe an, der Mitarbeiterschaft ein Mindset “beizubringen”.

In einer Studie des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG zur Digitalisierung der Wohnungswirtschaft gaben bspw. 60% der StudienteilnehmerInnen an, dass sie bei der Weiterbildung zum digitalen Wissensaufbau, dem digital enablement, auf die Eigeninitiative der MitarbeiterInnen setzen.

Diese Erkenntnis deckt sich mit den Ergebnisse aus unserer Kurzstudie zum digitalen Mindset in der Immobilienwirtschaft. In den Interviews haben uns unsere GesprächsparterInnen jedoch darüber hinaus gespiegelt, dass es die Bringschuld der Unternehmen sei, entsprechende Weiterbildungsformate zum Thema digitales Mindset anzubieten und zu finanzieren.

Eigeninitiative unter den MitarbeiterInnen ist also eher Fehlanzeige! Es entsteht hier eine Leerstelle: Unternehmen setzen auf das Engagement der MitarbeiterInnen, sich ein digitales Mindset anzueigenen, wohingegen die Belegschaft entsprechende Angebote von Arbeitgeberseite erwartet. Die Folge: Es kümmert sich niemand so wirklich um den Aufbau eines digitalen Mindsets!

Aber: Immobilienbranche ist kein Einzelfall

Dies scheint kein branchenspezifisches Phänomen zu sein. Grundsätzlich muss man sich die Frage stellen: Wie ist es denn um das digitale Mindset in Deutschland bestellt? 

 

DIHK-Studie zeigt Schulungsbedarf beim digitalen Mindset auf

So gaben im Rahmen der DIHK-Digitalisierungsumfrage (2022) 66 Prozent der knapp 4.300 befragten Unternehmen an, dass sie beim digitalen Mindset den dringlichsten Schulungsbedarf unter den MitarbeiterInnen sehen.

Es braucht also Bildungsformate, die niedrigschwellig den ersten Schritt in Richtung  digitales Mindset ermöglichen. Aber vielleicht stellen Sie sich jetzt die Frage: 

Kann man digitales Mindset überhaupt lernen?

Nein, man kann ein digitales Mindset nicht einfach kurzfristig lernen, so wie Fachwissen oder bestimmte Fakten. Denn das Mindset wird, so wie andere Persönlichkeitseigenschaften, langfristig durch Erfahrungen und Überzeugungen ausgeprägt. 

Das heißt,

  • ein erster Schritt muss sein, ein Bewusstsein für die Notwendigkeit des Themas Digitalisierung zu schaffen.
  • Im zweiten Schritt erfolgt das Enablement, also die Befähigung selbst etwas ändern zu können.
  • Das schafft Motivation, um dann im dritten Schritt selbst aktiv zu werden.

Man spricht ja immer vom “Abholen” der KollegInnen und Kollegen. Dieses Abholen ist der erste Schritt. Aber das Abholen zum Thema Digitalisierung kostet Zeit und ist komplex. Hier kommt BUILD mit seinen Micro-Learning-Kursen ins Spiel –

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