Welches disruptive Potenzial haben digitale Ökosysteme in der Immobilienwirtschaft?

Symbolbild für die vielen Teilnehmer eines digitalen Ökosystems.

Allzu oft hören wir in den letzten Jahren im Zusammenhang mit der Digitalisierung der Immobilienwirtschaft von digitalen Ökosystemen

Namhafte Immobilienunternehmen berichten, dass sie sich an digitalen Ökosystemen beteiligen oder eigene Ökosysteme starten, wie z.B. Union Investment

Was genau hinter dem Begriff steckt und wie groß das disruptive Potenzial von digitalen Ökosystemen für die Branche ist, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Inhalt

Was ist ein Ökosystem?

In der Natur zeichnet sich ein Ökosystem dadurch aus, dass verschiedene Organismen (Pflanzen, Bäume, Bakterien, Tiere, Pilze usw.) zusammen in einem Lebensraum (Wald, Wiese oder Ozean) durch eine Wechselbeziehung voneinander profitieren. Damit sichern sie ihr Überleben.

Das Besondere daran ist: Das Fehlen des Einen würde die Existenz des Anderen unmöglich machen

Ohne Lebensraum keine Lebewesen – ohne Lebewesen kein Lebensraum. Daraus entstehen z.B. Nahrungsketten, Energie- und Stoffkreisläufe. 

Diese Prinzipien aus der Natur dienen als Vorbild für das digitale Ökosystem.

Das Waldökosystem kann als Vorbild für das digitale Ökosystem dienen.

Was ist ein digitales Ökosystem?

Was das Ökosystem auszeichnet sind also 

  • Offenheit, 
  • Dynamik 
  • und Symbiose. 

Aus dem Bio-Unterricht kennen Sie vielleicht noch den Begriff Symbiose und genau diese wird im digitalen Ökosystem zum entscheidenden Faktor. 

Denn der Einzelne und das Gesamtsystem werden nur überleben, wenn wechselseitig ein Vorteil für alle entsteht.

Kommt ein neuer Teilnehmer des Ökosystems hinzu, passt sich das Ökosystem an. Trägt er nicht zum Erfolg des gesamten Systems bei, wird er wohl nicht überleben. 

Das Prinzip digitaler Ökosysteme lässt sich auch auf Geschäftsmodelle übertragen:

Ein Digitales Ökosystem ist ein sog. sozio-technisches System. Das bedeutet, es besteht aus Menschen, Technik und Organisationen.

Die Teilnehmer sind Anbieter, Konsumenten, Partner und der Ökosystem-Initiator.

Im Zentrum steht i.d.R. eine digitale Plattform, die den Austausch von Waren und Dienstleistungen ermöglicht. Diese Plattform wird vom Ökosystem-Initiator orchestriert.

Kollaboration ist dabei die Leitidee. Diese Zusammenarbeit beinhaltet aber auch, sich mit Wettbewerbern zusammenzuschließen und sich den Kunden im Zweifel zu “teilen”.

Übrigens: Die Idee des Ökosystems ist eigentlich nichts Neues und gibt es schon seit Langem in der Wertschöpfungskette der Industrie, im Banking usw.

Neu ist die Technologie, Skalierbarkeit und Offenheit

Neu ist die digitale Grundlage, die Skalierbarkeit und die Offenheit des digitalen Ökosystems für neue Teilnehmer. Denn digitale Plattformen vereinfachen die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen: Dadurch wird die gesamte Wertschöpfungskette optimiert.

Jeder Teilnehmer eines digitalen Ökosystems ist Lieferant von Daten.

Richtig analysiert entstehen daraus Datenschätze, aus denen Trends und verborgene Kundenbedürfnisse abgeleitet werden können. Dieses Wissen bildet die Grundlage für neue Leads oder digitale Geschäftsmodelle

Das schafft Chancen für die Gewinnung neuer Kunden oder macht sogar das jeweilige digitale Ökosystem so attraktiv, dass die Ökosystem-TeilnehmerInnen langfristig daran gebunden werden (sogenannter Lock-in-Effekt).

Erfahren Sie mehr zum digitalen Ökosystem in unserem Intensiv-Kursprogramm für Real Estate Professionals (Session 5.8).

Aber was ergibt es für einen Sinn, Kunden mit anderen zu teilen?

Grundsätzlich ist die Idee des digitalen Ökosystems, den Nutzen eines Kunden zu maximieren.

Durch alle am Ökosystem beteiligten Partner kann man in Summe den Kunden ein besseres Angebot machen, als es die einzelnen Partner je schaffen würden.

Denn egal wie groß Unternehmen sind – die Spezialisierung und die Ressourcen eines einzelnen Unternehmens reichen in der Regel nicht aus, die Kundenbedürfnisse in Gänze zu befriedigen.

Im Idealfall: Win-Win-Win für alle Beteiligten

Im Idealfall ist das digitale Ökosystem wie im natürlichen Ökosystem also zum gegenseitigen Nutzen aller Ökosystem-Teilnehmer und führt zu:

  • einer Maximierung der Wertschöpfung für alle Beteiligten,
  • einer Optimierung der Effizienz durch optimierte Prozesse,
  • einer Minimierung der Kosten sowie
  • eröffnet es den Zugang zu Daten, neuen Kundengruppen etc. der anderen teilhabenden Unternehmen.

Ein Beispiel für ein gelungenes Ökosystem ist übrigens Apple. Mit dem Apple App-Store wurde eine Ökosystem-Plattform geschaffen, die Millionen Kunden mit hunderttausenden mobile App-Entwicklern zusammenzubringen.

Ein digitales Ökosystem befriedigt die Kundenbedürfnisse idealerweise maximal.

Wie sehen immobilienwirtschaftliche digitale Ökosysteme aus?

Die Immobilienwirtschaft ist im Prinzip schon heute ein großes Ökosystem durch die  Ansammlung verschiedener kleiner, regionaler Unternehmen und auch Spezialisten entlang des Lebenszyklus. Allerdings eben noch nicht vollumfänglich auf Basis einer digitalen Plattform. 

Bereits heute arbeiten sämtliche Disziplinen wie z.B. Investment Management, Immobilienmanagement, Projektentwicklung, Bauunternehmung, Ver- und Entsorgung, Banken und Versicherungen zusammen. 

Die Leistungserstellung ist jedoch noch überwiegend analog, damit sehr oft ineffizient, und die Datenerhebung und -auswertung, um Kundenbedürfnisse und Trends abzuleiten, findet noch nicht strukturiert statt.

Digitale Ökosysteme als Antwort auf zunehmende Komplexität

Die Komplexität und die Anforderungen der Kunden nehmen jedoch in Zukunft zu, so dass ein Anbieter allein die Bedürfnisse nicht mehr erfüllen kann. 

Noch spielen, bis auf einige abgegrenzte Teil-Lösungen, digitale Ökosysteme in der Immobilienwirtschaft fast keine Rolle. 

Unternehmen haben aber die Vorteile verstanden, wie auch Ergebnisse der Studie “Ecosystems in der Immobilienwirtschaft” (2021), herausgegeben vom Zentralen Immobilien Ausschuss e. V. (ZIA) und dem Beratungsunternehmen Deloitte, belegen.

So gaben in der Studie 75% aller befragten Unternehmen an, dass die Teilnahme an immobilienwirtschaftlichen Ökosystemen zukünftig ein zentraler Bestandteil ihrer Unternehmensstrategie sein wird. Die Befragten sehen es als strategischen Vorteil an, Teil eines Ökosystems zu sein.

Beispiele für digitale Ökosysteme in der Immobilienwirtschaft

Teilnehmer an Immobilien-Ökosystemen sind idealerweise nicht nur Player aus der Branche.

Denn auch Mieter, InvestorInnen, BewerterInnen, MaklerInnen, SteuerberaterInnen, ggf. Behörden aber auch PropTechs sind sinnvollerweise Teil eines Immobilien-Ökosystems.

Unternehmen können beispielsweise durch die Zusammenarbeit mit PropTechs ein Ökosystem für die Lösung eines bestimmten Kundenproblems werden.

Beispiele für digitale Ökosysteme der Immobilienbranche wären u.a.:

  • eine Plattform für die kurzfristige Vermietung von Büroflächen oder
  • nachhaltige Immobilien-Anlagemöglichkeiten für institutionelle Investoren sowie auch
  • IoT-Lösungen als Grundlage für das kollaborative Sammeln und Auswerten von Gebäudedaten, CO2-Emissionen und das in Echtzeit als Grundlage für ESG

Welches disruptive Potenzial haben digitale Ökosysteme für die Immobilienwirtschaft?

Nun zu unserer Eingangsfrage: Wie groß ist das disruptive Potenzial von digitalen Ökosystemen für die Branche?

Die Immobilienwirtschaft steht vor einem Paradigmenwechsel, wie Sie in diesem Blogbeitrag nachlesen können. U. a. verschwinden Informationsvorsprünge, Technologien setzen neue Marktstandards und Nachhaltigkeit wird aufgrund der ESG-Regulatorik großgeschrieben.

Dadurch ändert sich auch die Art des Wettbewerbs in der Branche. Es geht zunehmend darum, neue Wege der Zusammenarbeit und Vernetzung zu finden. Auch zum Beispiel über Branchengrenzen hinweg, indem man Steuerberater, Behörden usw. in ein Netzwerk integriert. Dazu benötigt man allerdings auch das passende Mindset! Wenn ein Unternehmen in der Lage ist, ein Netzwerk aus Partnern, Kunden, und Stakeholdern zu knüpfen, entsteht ein Ökosystem.

Die fragmentierte Immobilienwirtschaft scheint uns bestens dafür geeignet, sich in Ökosystemen zu organisieren, da die Branche aus unzähligen Spezialistinnen und Spezialisten und Teillösungen besteht. Unternehmen kooperieren also, um ein besseres Wertangebot für Kunden zu entwickeln. Diese Angebote können in Ökosystemen zu stimmigen Gesamtlösungen verknüpft werden. 

Nicht zuletzt die Herausforderungen durch ESG sind der perfekte Anwendungsfall, um den Nutzen von digitalen, transparenten, offenen und datengetriebenen Ökosystemen vor Augen zu führen.

Dieses Potenzial wirkt sich zunächst nicht unmittelbar disruptiv aus. Auch, weil nicht von heute auf morgen erfolgreiche Ökosysteme aus dem Boden schießen werden. Denn Ökosysteme sind zwar überlegen, aber schwer aufzubauen. Denn jedes Geschäftsmodell muss nicht nur dem jeweiligen Akteur im Ökosystem selbst und den Kunden, sondern auch den Partnern Mehrwert bieten.

Etablieren sich aber digitale Ökosysteme, wird dies Auswirkungen auf die Wertschöpfungskette der Branche haben. Einige Akteure in der Wertschöpfungskette gewinnen, andere verlieren oder werden obsolet. 

Insbesondere der Bedarf an Unternehmen, die Informationsasymmetrien zwischen z.B. Käufer und Verkäufer überbrücken, wird abnehmen. Gleiches gilt vermutlich für Vermittlungstätigkeiten.

6 Gründe, warum Digital Real Estate kein Hype mehr ist

Risiko: Digitale Ökosysteme durch Branchenfremde wie BIG Tech

Gelingt es Branchenfremden wie den großen Big-Tech Unternehmen ein erfolgreiches digitales Ökosystem zu starten, geht im Zweifel die Marktposition etablierter Unternehmen und als Folge die Kundenbeziehung verloren.

Die Musikindustrie musste dies schmerzlich erfahren: In der vernetzten Welt ist Musik sehr billig geworden, der Umsatz und Kundenkontakt hat sich auf Streamingdienste wie Spotify verlagert.

Denken Sie also bei digitalen Ökosystemen erstmal nicht an Technologie. Gerade Plattform-Technologien lassen sich leicht nachbauen, übernehmen oder mit anderen Technologien verbinden. Denn im Grund geht es eigentlich nur um das Bereitstellen von Schnittstellen.

Viel wichtiger ist: Sie müssen in Partnerschaften denken und überzeugend darlegen, dass das Teilen wichtiger Informationen für alle von Vorteil ist. Denn auch für die Immobilienwirtschaft liegen die Chancen eines vernetzten Geschäfts eigentlich auf der Hand.

Fazit

Fassen wir also zusammen:

  • Ein digitales Ökosystem vernetzt Anbieter, Konsumenten und Partner, meist auf einer digitalen Plattform. Gemeinsam generieren die Akteure einen Mehrwert für den Kunden, der ohne das Ökosystem nicht möglich wäre. 
  • Da das Ergebnis eine attraktive, kundenorientierte Gesamtlösung ist, macht es auch Sinn, dass sich die Akteure des Ökosystems die Kunden teilen. Sie maximieren durch die Teilnahme am Ökosystem ihre Wertschöpfung. Und sie bekommen Zugang zu neuen Kundengruppen und Daten.
  • Das disruptive Potential von Ökosystemen für die Immobilienwirtschaft ist unserer Meinung nach hoch: Die fragmentierte Branche scheint bestens dafür geeignet, sich in Ökosystemen zu organisieren, da die Branche aus unzähligen SpezialistInnen und Teillösungen besteht.

 

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