6 Gründe, warum Digital Real Estate kein Hype mehr ist

Neulich wurde ich bei einer Vorlesung von einem berufserfahrenen Studierenden gefragt, warum man das Thema Digitalisierung in der Immobilienwirtschaft, oder besser Digital Real Estate, überhaupt noch vertiefen sollte.

Digital Real Estate sei doch nur ein Hype gewesen und ESG mittlerweile die “neue Sau, die durchs Dorf getrieben wird”. Digitalisierungsmaßnahmen seien reines Marketing. Und den meisten PropTechs gehe bald sowieso die Equity-Finanzierung aus.

Zugegebenermaßen ist das schon eine überspitzte Einzelmeinung. Aber unter vorgehaltener Hand sagen mir selbst erfahrene Immobilienprofis, dass sie manchmal den Sinn und Zweck von Digitalisierungsmaßnahmen, gerade in dieser so physischen Branche, anzweifeln.

Wir glauben: Digital Real Estate entscheidet über die Zukunftsfähigkeit der Branche und zeigen Ihnen gleich 6 Gründe, warum Digital Real Estate kein Hype mehr ist.

6 Gründe für Digital Real Estate in einer Infografik visualisiert.

Inhalt

#1: Informationsvorsprünge verschwinden durch Digital Real Estate

Die Geschäftsmodelle der Immobilienbranche sind seit jeher fixiert auf ein reales, physisch greifbares Asset, nämlich das Grundstück und Gebäude.

Deshalb wirkt es im ersten Reflex überflüssig, hier von einer notwendigen Digitalisierung der Branche zu sprechen.

Die Immobilienwirtschaft ist letztlich eine Ansammlung von Geschäftsmodellen, bei denen die Immobilie in den meisten Fällen “nur” Gegenstand der eigentlichen Leistung sind.

Die eigentliche Nutzenstiftung ist oft nicht zwangsläufig an die physische Immobilie gebunden, sondern an das Kundenbedürfnis, das mit Hilfe der Immobilie befriedigt wird. Genauer gesagt beruhen heute viele Geschäftsmodelle darauf, Informationsvorsprünge auszunutzen.

Die Informationsasymmetrie in der Immobilienwirtschaft wird durch eine Waage symbolisiert.

Digital Real Estate führt zu Markttransparenz

Diese Geschäftsmodelle werden zukünftig in Frage gestellt. Denn ein höherer Digitalisierungsgrad führt natürlich zu mehr Transparenz.

Zum Beispiel im Hinblick auf

  • Abläufe,
  • Qualitäten,
  • Verfügbarkeiten,
  • Zuständigkeiten.
  • Aber vor allem im Hinblick auf Marktdaten. Kurz Informationen.

Informationsvorsprünge verschwinden

Die Folge: Der Bedarf an Unternehmen, die Informationsasymmetrien zwischen z.B. Käufern und Verkäufern überbrücken, wird abnehmen. Und in einer digitalen Welt mit transparenten Marktdaten, digitalen Plattformen und automatisierten Prozessen wird es zunehmend schwieriger, Informationsvorsprünge gezielt auszunutzen und zu Geld zu machen.

Das bedeutet: Je mehr der Informationsvorsprung schrumpft, desto wichtiger ist es, die Bedürfnisse und Probleme der Kunden genau zu kennen. Denn nur, wer künftig die Lösung für konkrete Kundenbedürfnisse bietet, bleibt langfristig im Rennen.

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#2: Maximales Kundenverständnis wird durch Digital Real Estate vorausgesetzt

In der vielfältigen Immobilienbranche ist eine Kernfrage: Wer ist eigentlich die Kundin bzw. der Kunde? Ist es der Mieter, die Investorin, Eigentümerin, der Eigentümervertreter, ist es der Verkäufer / die Käuferin usw. Die Antwort lautet oft: diejenigen, die die meine Rechnungen bezahlen.

Bitte nicht falsch verstehen: Es ist natürlich schon so, dass die Immobilienwirtschaft ihre Kundenbeziehung im Griff hat und auch auf Veränderungen reagiert.

Diese Fragen sollte sich die Branche öfter stellen

 Welche Fragen sich die Branche allerdings noch viel öfter stellen sollte: 

  • Was sind typische Kundenprobleme in der Immobilienwirtschaft? 
  • Und hat die Immobilienwirtschaft darauf mit ihren Geschäftsmodellen aktuell die richtige Antwort? 
  • Nicht zuletzt: Sind die Kundenbedürfnisse auch digital lösbar

Neue Anbieter definieren neue Marktstandards

Denn eines ist sicher: Wird ein bestimmtes Kundenproblem nicht gelöst, kann ein neuer Anbieter auf den Markt kommen und definiert gar einen neuen Marktstandard. Und das oft mit Hilfe von digitalen Technologien oder digitalen Geschäftsmodellen.

Es stellt sich also grundsätzlich die Frage: Wobei kann ein digitales Geschäftsmodell bzw. Digitalisierung helfen, ein bestimmtes Kundenproblem besser, schneller, verlässlicher zu lösen oder ein Kundenbedürfnis zu befriedigen? 

Das Konsumverhalten ändert sich

Und noch ein Aspekt, den viele unterschätzen. Bei KundInnen und MitarbeiterInnen findet gerade ein Generationenwechsel statt: Das Konsumverhalten verändert sich und die Erwartungen an digitale Prozesse, Services und Geschäftsmodelle sind gestiegen. Dazu zählen bspw. kurze Reaktionszeiten und die Integration von Smartphones und Apps, z.B. bei der Anmietung, Finanzierung oder dem Kauf von Immobilien.

Die Bedürfnisse neuer Generationen befördern Digital Real Estate.

#3: Technologien setzen neue Marktstandards durch Digital Real Estate

Schon heute gelänge es Akteuren aus der digitalen Welt, typische Kundenprobleme aus der Immobilienwirtschaft technisch schneller, effizienter und verlässlicher zu lösen. Allerdings ist vieles davon noch nicht flächendeckend möglich oder auch einfach nicht gewollt. 

So ist die Blockchain-Technologie ein Beispiel dafür, wie man sicher, integer und ohne Mittelinstanz Transaktionen durchführen kann. Bildlich gesprochen ist das die “Digitalisierung des Vertrauens”. Ein Merkmal, das in einer kapitalintensiven Branche wie der Immobilienwirtschaft, mit vielen Verträgen und Urkunden, essentiell ist. 

Sensorik macht Gebäude in Echtzeit transparent. Temperaturen, Verschmutzung, Zustände, Verbräuche, die Verfügbarkeit von Räumen und Flächen usw. sind die Grundlage für das Internet of Things. Die Vernetzung der Informationen ermöglicht Einsparpotenziale, effizientere Prozesse aber bildet auch die Grundlage für Automatisierung. Building Information Modeling (kurz BIM) ermöglicht zudem ein komplett digitales Abbild einer Immobilie.

Und nicht zuletzt sind Daten das wertvolle “Nebenprodukt”, das im gesamten Lebenszyklus einer Immobilie anfällt. Das Potenzial von Daten haben auch die wertvollsten Unternehmen der Welt, darunter Apple, Alphabet und Meta, schon früh erkannt – und auf dem vorhandenen Datenschatz äußerst lukrative Geschäftsmodelle aufgebaut.

Aber das sind nur einige Beispiele wie Technologien den Markt verändern könnten. In unseren Micro-Learning-Kursen zu Digital Real Estate lernen Sie das Wichtigste zu:

  • Blockchain in Real Estate
  • KI in Real Estate
  • Digitalen Ökosystemen in Real Estate
  • aber auch 
  • Plattform in Real Estate
  • Visualisierung (VR / AR / Drohnen) in Real Estate
  • Cloud in Real Estate
  • BIM in Real Estate
  • ERP in Real Estate
  • Smart Home / Smart Building und damit auch IoT / Sensoren in Real Estate

#4: Big Tech Unternehmen gewinnen an Einfluss

Die großen Tech-Unternehmen Apple, Alphabet, Facebook, Microsoft usw. (“BigTech”) sind einzeln teilweise mehr wert als alle Unternehmen im DAX zusammen.

Warum ist das so? Weil diese Unternehmen das Prinzip der Skalierbarkeit und den Wert der Daten erkannt haben. Daten sind das neue Öl, heißt es ja immer wieder.

Warum kann Big Tech auch einer deutschen Immobilienwirtschaft gefährlich werden?

  • Big Tech sitzen auf einem Datenschatz. Google & Facebook könnten den Münchner Immobilienmarkt vermutlich besser kennen als jeder Immo-Experte (Flächen, Mieten usw.), wenn die Daten systematisch und zielgerichtet ausgewertet werden.
  • Dazu haben sie geeignetes Personal. Denn sie ziehen die besten Entwickler, InnovatorInnen und Data Scientists der Welt an und
  • sie haben viel Kapital und können damit problemlos Ideen ausprobieren und wieder verwerfen. 
Big Tech Firmen im Verhältnis zum Dax.

Big Tech investieren in PropTechs und Immobilien

Aber ist es wirklich realistisch, dass die großen Tech Firmen im Immobilienmarkt aktiv werden? Wenn man nach USA oder auch China schaut, eindeutig ja. So investieren Microsoft, Amazon, Google aber auch Alibaba, & Tencent durchaus in PropTech Firmen. 

Aber auch Immobilien an sich werden gekauft. So investiert Google mittlerweile Milliarden in Bürogebäude und Datencenter in den USA. Den 5 größten Big Tech Unternehmen Amazon, Meta, Apple, Google und Microsoft gehören mittlerweile über 50 Mio. m² Immobilien. Das ist mehr als der Büroimmobilienmarkt in New York! 

Damit wird der Markteintritt in Immobilienmärkte an mehreren Fronten vollzogen. Nämlich zum einen durch den Ankauf von smarten Ideen und Geschäftsmodellen und zum anderen durch den Aufbau eines eigenen Immobilienportfolios.

Auch wenn in Deutschland sowas im großen Stil noch nicht zu beobachten ist, sind mit Google Nest und Amazon Blink erste Anfänge für Smart Home und damit den Einzug in unsere Immobilien gemacht.

Und als Plattformbetreiber sind die Big Tech Unternehmen prädestiniert, digitale Ökosysteme für die fragmentierte Immobilienwirtschaft zu etablieren. 

#5: ESG - nachhaltige Gebäude und Investments sind Pflicht

Der Klimawandel ist aktuell eine der größten Herausforderungen für die Menschheit. Laut Studien verursacht der Gebäudesektor zwischen 30 und 40 Prozent der Treibhausgasemissionen und des Gesamtenergiebedarfs in Deutschland.

Die Folgen des Klimawandels treiben Digital Real Estate.

Das hat auch die Politik erkannt: Im Jahr 2050 soll der deutsche Immobilienbestand nahezu klimaneutral sein. Dieses Klimaziel kann nur mit Hilfe von digitalen Lösungen erreicht werden, darüber ist sich die Immobilienbranche weitestgehend einig.

ESG-Reporting verlangt sauberes Datenmanagement

Notwendig ist es beispielsweise, Verbräuche und den CO2-Ausstoß in Echtzeit zu messen sowie miteinander zu vergleichen. Das setzt Datentransparenz und gemeinsame Standards in der Datenerfassung voraus. 

Doch nicht nur umweltverträgliche Gebäude spielen eine Rolle – auch soziale Aspekte und eine verantwortungsvolle Unternehmensführung rücken in den Fokus. Zusammengefasst unter den drei Buchstaben ESG. 

Das Thema ESG definiert gerade die Zukunftsfähigkeit der Branche: Denn die ESG-Regulatorik lenkt die Kapitalströme für Investments in nachhaltige Immobilien.

Nicht nachhaltige Immobilienprodukte können so zum Auslaufmodell werden.

Konkret spricht man hier von Stranded Assets, also von Immobilien, die keine Marktfähigkeit mehr haben und damit stark an Wert verlieren oder gar wertlos werden.

Wie kann Digitalisierung helfen, die ESG-Anforderungen zu erfüllen?

  1. Da ist zunächst die Datentransparenz. Durch das Sammeln und Auswerten von technischen Gebäude- und Nutzerdaten wird die Grundlage für die Messung des CO2-Verbrauchs geschaffen.
  2. Automatisierung hilft den Gebäudebetrieb nicht nur effizienter zu steuern, sondern ermöglicht auch die in Zukunft wichtiger werdenden Nachhaltigkeitsreportings.
  3. Die Analyse des Nutzerverhaltens mittels Sensoren oder Smart Metering ermöglicht die effizientere Auslastung von Flächen und zusammen mit Wetterdaten den vorausschauenden Verbrauch von Energie.

#6: Die Zukunft erfordert Resilienz

Die letzten Jahre haben gezeigt, wie unvorhersehbar Krisen auftreten können, und das in sehr kurzen Abständen.

Seien es die Pandemie, Klimakatastrophen aber auch Konflikte wie der Ukraine-Krieg und die darauf folgenden wirtschaftlichen Verwerfungen. Auch die Immobilienbranche hat sicher nicht mit einem so abrupten Zinsanstieg gerechnet wie er dann in 2022 kam. 

Umso wichtiger wird es für Unternehmen, ein resilientes Geschäftsmodell zu haben oder aufzubauen.

Denn es ist sehr wahrscheinlich, dass wir auch in den nächsten Jahren mit Krisen und Veränderungen konfrontiert sein werden. Krisen, deren Folgen wir uns heute vielleicht noch gar nicht vorstellen können!

Der Begriff Resilienz kommt aus der Psychologie und beschreibt die Widerstandsfähigkeit der menschlichen Psyche bei Schicksalsschlägen oder Lebenskrisen.

Digital Real Estate kann dabei helfen, ein resilientes Geschäftsmodell aufzubauen.

In Kontext von Unternehmen ist mit Resilienz gemeint: Die Fähigkeit sich den äußeren Umständen anzupassen, ohne dass das Geschäftsmodell nachhaltigen Schaden nimmt. 

Unternehmen, die in die Digitalisierung investieren, können ihre Widerstandsfähigkeit ausbauen. Zum Beispiel, indem sie mit digitalen Tools und mobilem Arbeiten ihre Unternehmensprozesse in Krisen am Laufen halten.

Mit digitalen Geschäftsmodellen Risiken streuen

Aber was wir meinen, geht viel weiter. Nämlich die Resilienz des Geschäftsmodells. Dazu gehört nicht nur die verbesserte Effizienz durch Automatisierung in Zeiten steigender Zinsen und sinkender Margen, sondern auch die Erschließung neuer zusätzlicher Ertragsquellen.

Hier kommen digitale Geschäftsmodelle ins Spiel, die zu einer Risiko-Diversifikation der Ertragsquellen beitragen können. Und hierzu sind Innovationen gefragt.

Digitales Mindset für die Immobilienwirtschaft: einfach erklärt

Fazit

Fassen wir also zusammen: Wie Sie gesehen haben, ist Digitalisierung kein Selbstzweck und damit Digital Real Estate (also die Digitalisierung der Immobilienwirtschaft) kein Hype.

Digital Real Estate ist vielmehr die Antwort auf grundlegende Entwicklungen und Trends, die in den nächsten Jahren die Immobilienwirtschaft treffen werden. 

Sechs Trends haben Sie kennengelernt:

  1. Informationsvorsprünge verschwinden  
  2. Maximales Kundenverständnis wird vorausgesetzt
  3. Technologien setzen neue Marktstandards
  4. Big Tech gewinnen an Einfluss
  5. ESG – Nachhaltige Gebäude und Investments sind Pflicht
  6. Die Zukunft erfordert Resilienz

Wir sind der Überzeugung: Digitalisierung beginnt in den Köpfen. Gute Ideen und das passende Mindset müssen durch Überzeugung und Qualifizierung entstehen. 

Dazu ist es im ersten Schritt wichtig, zu verstehen, was Digitalisierung und die digitale Transformation für die Branche bedeuten. Erfahren Sie dazu kostenlos mehr in unserem Einstiegskurs BUILD Micro-Learning Basic.

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